Richard Riemerschmid

Richard Riemerschmid

Am 20. Juni 1868 wurde Richard Riemerschmid in München geboren. Nach einem Kunststudium von 1888 bis 1890 an der Münchener Akademie der Bildenden Künste arbeitete er als Maler, Architekt und Designer in München.

1895 heiratete er die Schauspielerin Ida Hofmann und entwarf im gleichen Jahr sein eigenes Haus samt Einrichtung.

1897 gründete er mit Hermann Obrist, Bernhard Pankok und Bruno Paul in München die "Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk" zur Produktion innovativer und sorgfältig ausgeführter Designs.

Ab 1902 produzierte Riemerschmid Entwürfe für die "Dresdener Werkstätten für Handwerkskunst", wobei er sich 1905 die Verfahren der Standardisierung aneignete und eine Möbelkollektion für die Werkstätten gestaltete, die zur Serienherstellung geeignet war.
Die sogenannten "Maschinenmöbel" oder auch "Dresdener Hausgeräte" wurden als "erste demokratische Kunst ", als "Möbelstil aus dem Geiste der Maschine" auf der dritten Kunstgewerbe-Ausstellung in den Dresdener Werkstätten vorgeführt. Somit war Riemerschmid zusammen mit Peter Behrens einer der Ersten, die massenproduzierte Möbel entwarfen und zurecht als Wegbereiter des Industriedesigns
gelten kann.

Ab 1907 war Riemerschmid zudem an der Begründung des "Deutschen Werkbundes" beteiligt und engagierte sich als eines der aktivsten Mitglieder im Jahre 1914 an der "Werkbund-Ausstellung" in Köln. Von 1921 bis 1926 war er Vorsitzender des "Deutschen Werkbundes".

Von 1907 bis 1913 übernahm Riemerschmid die Planung für die erste deutsche Gartenstadt in Dresden-Hellerau, die heute unter Denkmalschutz steht und noch immer als Beispiel für eine humane Architektur mit organischer Stadtplanung und menschengerechtem Wohnungsbau gilt.

Richard Riemerschmid war 11 jahre lang Direktor der Münchener Kunstgewerbeschule. Von 1918 bis 1919 war er Mitglied des Künstlerrates der Stadt München. Nach seinem Vorsitz beim "Deutschen Werkbund" war er 5 Jahre lang Leiter der Kölner Werkschulen.

Von den Nationalsozialisten in die innere Emigration gezwungen, kehrte er in den 30er Jahren nach München zurück, wo er sich bis zu seinem Tod am 13.April 1957 vor allem der Malerei und Kunst widmete.

Der schriftliche Nachlass kam 1973 in das Archiv für Bildende Kunst in das Germanische Nationalmuseum, Nürnberg.

Weitere bekannte Werke Riemerschmids sind der Musiksalon (1899, Deutsche Kunstausstellung Dresden); Zimmer des Kunstfreundes (1900, Weltausstellung in Paris); Ausgestaltung des Münchner Schauspielhauses (1900/1901); Rektoratszimmer der Industrieschule zu Nürnberg (1904, Weltausstellung in St.Louis) oder das Speise- und Damenzimmer (1910, Weltausstellung in Brüssel).