Ludwig Mies van der Rohe


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Ludwig Mies van der Rohe

Obwohl der Sohn eines Aachener Steinmetzes nie eine offizielle Abschlussprüfung durchlief, schien ihm der Beruf des Architekten in die Wiege gelegt. Im Betrieb des Vaters früh mit Dingen des Bauwesens vertraut, ging er als 19Jähriger nach Berlin, wo er in den Büros von Bruno Paul und Peter Behrens arbeitete, zwei Zentralfiguren der Reformbewegung.

Mies fand Zugang zu wohlhabenden, gebildeten Kreisen, zum Teil Sammler, die seinen Blick auf die moderne Kunst lenkten. Anfang der 20er Jahre entstanden erste Entwürfe für Wolkenkratzer. Nach gescheiterter Ehe führte er nun das Leben eines Junggesellen, der als Modernist jeder „trivialen Verzierung“ entsagte. Allerdings verließ er selbst bei seinen revolutionären offenen Grundrissen - zumeist für Villen - nie das Grundmuster bürgerlichen Wohnens, wozu die Trennung von Herren- und Damenbereich sowie die Abschirmung vom Personal gehörten.

Möbel entstanden als Nebenprodukte seiner Bauten. Marksteine des Designs sind die Arbeiten für das von ihm geleitete Projekt der Stuttgarter Weißenhofsiedlung (1927), seinen deutschen Pavillon für die Weltausstellung in Barcelona (1929) sowie die Villa Tugendhat im mährischen Brunn (1930).

Die Weltkarriere begann mit dem in Stuttgart vorgestellten hinterbeinlosen „Freischwinger“, ein Konzept von Mart Stam, das er verfeinerte. Den Sessel MR 9O für die Weltausstellung bezeichnete er als „monumentales Objekt“. Ungewöhnlich war die Verwendung von Bandstahl, der, relativ schwer, die formal überzeugende Scherenform ermöglichte. Obwohl die Möbel anfangs nur in kleiner Serie produziert wurden, waren sie stilbildend, wie auch der Glastisch mit sichtbarem Kreuzgestell und die Chaiselongue mit ihren parallelen Wulsten. Ihre Bedeutung zeigt nicht nur die Zahl der Plagiate und die schließlich erfolgreiche Neuvermarktung, sondern auch die Weiterführung seiner Ideen durch bedeutende Designer wie etwa Franco Albini oder Poul Kjaerholm, aber auch die Anti-Designer von Archizoom.

Obwohl Mies van der Rohe üblicherweise in Verbindung mit dem Bauhaus gesehen wird, hatte er bereits alles Wesentliche entwickelt, bevor er 1930 dessen letzter Direktor wurde. Versuche, sich mit der NS-Diktatur zu arrangieren, scheiterten. Ende der 30er Jahre emigrierte er in die USA, wo er die Architekturabteilung des Illinois Institute of Technology leitete. Bis zu seinem Tod war er als gefragter Architekt in aller Welt tätig und galt, neben Marcel Breuer und Walter Gropius, als Großmeister des „International Style“.

Internetseite von Ludwig Mies van der Rohe


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