Ikone auf drei Beinen: 80 Jahre Artek Stool 60

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Beitrag vom 11.07.2013

Die Geburt des Stools 60 im Jahr 1933 ging nicht lautlos vonstatten: Wieder und wieder schmetterte Alvar Aalto den Prototypen des Hockers auf den Boden der Möbelfabrik Korhonen, um seine Haltbarkeit zu testen. Aalto war begeistert und rief: „Diesen Hocker werden wir noch tausendfach herstellen!“

Achtzig Jahre später wissen wir, dass Aalto damals ein Möbelstück in der Hand hielt, von dem sein Möbelunternehmen Artek Millionenauflagen verkaufen würde. Der schlichte, stapelbare Hocker aus Holz stand für einen neuen funktionalistischen Ansatz im Möbeldesign.

Detailansicht

Die Entstehung einer Legende

Noch zu Anfang der 1920er Jahre war Alvar Aaltos Schaffen vom skandinavischen Klassizismus geprägt, doch im Laufe des Jahrzehnts wuchs sein Interesse an einer rationalistischen und standardisierten Bauweise. Aalto betrachtete Möbel stets als Bestandteil seiner Architektur und so entstand eine enge Zusammenarbeit mit Otto Korhonen, dem Direktor der Möbelfabrik, in der Aalto seine legendären Paimio-Möbel fertigen ließ. Otto Korhonen war mit den Materialeigenschaften von Holz, besonders von finnischem Birkenholz, gut vertraut und beherrschte die unterschiedlichsten Verarbeitungstechniken.

Aaltos Entwürfe bezogen sich auf die vom Bauhaus geprägten Moderne, wobei die Verwendung von Holz anstelle von gebogenem Stahlrohr damals als revolutionär galt. Gemeinsam optimierten Aalto und Korhonen die Holzbiegetechnik, denn Alvar Aalto strebte auch bei der serienmäßigen Möbelherstellung ästhetisch ansprechende Endprodukte an. 1933 waren sie soweit, dass sie Massivholz in die für Tisch- oder Stuhlbeine gedachte L-Form biegen konnten. Die Beine des Hockers wurden direkt nach dem Biegen mit Schrauben unter der Sitzfläche des Hockers angebracht, so dass auf die konventionellen, in Handarbeit gefertigten Holzverbindungen der Möbeltischler verzichtet werden konnte. Nun konnte Aalto seine Möbel serienmäßig und in großem Umfang produzieren und die Erfolgsgeschichte des Stool 60 nahm ihren Lauf.

Hocker 60 in der Bibliothek von Viipuri

Möbel für die Architektur

Wie viele andere seiner Möbel auch, entwarf Aalto den Hocker 60 als Einrichtung für ein Gebäude, das er in seiner Funktion als Architekt ebenfalls selbst gestaltete: Die Bibliothek von Viipuri, dem heutigen Wyborg. Die Aalto-Hocker waren dreibeinig, damit sie sich im Sinne des Funktionalismus leicht stapeln ließen – ein unverzichtbarer Vorzug für öffentliche Gebäude, der auch Privatleute überzeugte und dies bis heute tut. Zum 80. Geburtstag bringt Artek eine Jubiläums-Edition des Hockers heraus, die in ihrer Farbigkeit an die Jahre des Funktionalismus erinnert. Das von Alvar Aalto von 1928-1933 gestaltete Paimio Sanatorium diente als Inspiration, das Gelb der Böden, das Grün der Wände, das Türkis des Treppengeländers und der Wände sowie das Orange, Weiß und Schwarz der Möbel finden sich alle in den neuen Ausführungen wieder.

Tamura-Sonderedition

Überraschung zum Geburtstag

Als ganz besondere Geburtstagsüberraschung zeigt Artek außerdem die Special Edition: Zum Jubiläum haben verschiedene Künstler und Designer einen ausgefallenen Look für den Klassiker kreiert. Zum Beispiel die Japanerin Nao Tamura, die den Schnitt eines 80-jährigen Baums auf die Sitzfläche bringt: Hier erzählt jeder Jahresring eine ganz eigene Geschichte. Oder Mike Meiré, der die Farb-Thematik komplett neu interpretiert und damit Individualität und Lebhaftigkeit beschwört. Damit sollte bewiesen sein: Zum alten Eisen gehört Aaltos Stool 60 noch lange nicht.

Und bei so viel Trubel zum Geburtstag bleibt uns nur eins zu wünschen: Auf die nächsten 80 Jahre!


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