Zu Hause bei Trine Andersen: so schön wohnt die ferm Living Gründerin

Trine Andersen, Gründerin von ferm Living

Trine Andersen ist die Gründerin und Art Directorin von ferm Living – eine der beliebtesten und erfolgreichsten skandinavischen Interior Brands. Wir durften uns in ihrem wunderschönen Zuhause, einem gelben Backsteinhaus nördlich von Kopenhagen, umsehen und haben mit ihr über private Wohnträume, Erfolge, Herausforderungen und Zukunftsvisionen gesprochen. Lassen Sie sich von den spannenden Einblicken im Magazine begeistern!

Trine, erzähl’ uns etwas über deine derzeitige Wohnsituation. Mit wem und wo genau lebst du?
Wir wohnen nördlich von Kopenhagen in Skovshoved in einem gelben Backsteinhaus von 1960. Wir – das sind mein Mann Martin und ich sowie unsere fünfjährige Tochter Sage und unser zwölfjähriger Sohn August.

ferm Living - Kelim Rug Merge, 50 x 70 cm

Wie würdest du deinen persönlichen Einrichtungsstil beschreiben?
Natürlich haben wir viele unserer eigenen ferm Living Produkte zu Hause. Aber daneben findet man einen – wie ich sagen würde – eklektischen Mix aus allem, von Kunst bis zu ikonischen Designklassikern, Eigenkreationen unserer Kinder und Vintage-Funden. Wir lieben Altes und Neues, das Einfache und die Dinge, die dem Auge mehr abverlangen.

ferm Living - Podia Couchtisch, schwarz

Wir denken viel darüber nach, wie wir unseren Stil ausbalancieren können, sowohl innerhalb unserer Kollektion als auch in unserer privaten Einrichtung. Insgesamt findet man bei uns eine sehr cleane, skandinavische Ästhetik mit einem wunderbaren Design-Erbe und Traditionen aus den 50er- und 60er-Jahren. Um diese auszugleichen, fügen wir einige mutigere Statements hinzu – Elemente, die farbenfroher und kunstvoller sind. Die Mischung erzeugt eine gewisse Energie zwischen den mutigeren und den ruhigeren Stücken.

ferm Living - Insert Beistelltisch, schwarz gebeizt

Ziehen die ferm Living Neuheiten immer bei euch ein? Dekorierst du oft um oder bleibt ihr bei ausgewählten Designklassikern?
Die Neuheiten ziehen immer auch bei uns ein. Meistens ist es sogar der Prototyp eines neuen Designs. Unser Haus ist sozusagen ein Testlabor für neue Entwicklungen.

Wie sah dein Zuhause aus bevor ferm Living gegründet wurde? Hattest du schon immer ein Händchen für schöne Einrichtung?
Schon als Kind habe ich mich sehr für das Thema Einrichten interessiert – ich habe es geliebt, mein Zimmer zu dekorieren und umzugestalten. Ich habe mich riesig gefreut, als ich in meine erste eigene Wohnung gezogen bin. Damals musste ich noch etwas kreativer sein und viel mit Vintagemöbeln und günstiger Einrichtung arbeiten, die ich individuell verschönert habe. Dadurch war mein Einrichtungsstil also definitiv verspielter und mehr DIY.

Vitra - Nelson Bench, Esche

Wie kam es zur Gründung von ferm Living? Was war deine Idee oder deine Motivation dahinter?
Die Idee kam mir, als ich Tapeten für das erste Haus gesucht habe, das Martin und ich 2006 gemeinsam gekauft hatten. Da ich einfach nicht die perfekte Tapete finden konnte, schuf ich sie aus einem persönlichen Bedürfnis heraus selbst. Mit meinem Hintergrund als Art Directorin und Grafikdesignerin dachte ich, dass das für mich auf jeden Fall eine lösbare Aufgabe ist.

Ich kann gut unter Druck und Deadlines arbeiten, also entschied ich mich schnell und meldete mich für die Formland Messe an und hoffte, schnell einige Hersteller zu überzeugen, meine Designs zu produzieren – was sich als großer Kampf herausstellte.

ferm Living - The Round Dorm, rund

Ich hatte schon immer eine große Leidenschaft für Design und Dekoration und habe den Drang, Dinge selbst zu erledigen. Und das – kombiniert mit der festen Überzeugung, dass der Tapetentrend, den ich bemerkte, zwar zunahm, aber in den traditionellen Farben- und Tapetengeschäften nicht wirklich zugänglich war – gab mir das Gefühl, dass ich es einfach durchziehen sollte.

Und was war dabei die größte Herausforderung?
Wie es viele Unternehmer*innen erleben, hatte ich anfangs nicht viel Geld, um mein Projekt umzusetzen. Ich konnte es mir nur leisten, eines meiner ersten zehn Designs auf echte Tapete drucken zu lassen. Aber trotzdem war die Resonanz auf die erste Kollektion so gut, dass dies der Startschuss für das Unternehmen war, das wir heute als ferm Living kennen.

ferm Living - Haze Vitrine, schwarz

Mit der Gründung und dem Erfolg von ferm Living scheinst du einen echten Traum zu leben. Würdest du alles noch mal genauso machen?
Alles hat seinen Preis. Ich bin überaus glücklich und stolz auf das, was ich zusammen mit den Menschen, die ich glücklicherweise auf diesem Weg kennenlernen durfte, erreicht habe. Natürlich sind im Laufe der Zeit einige schlechte Entscheidungen getroffen worden. Mit dem Wissen, das ich heute habe, würde ich nicht alles hundertprozentig so machen wie früher.

Aber aus all den kleinen Fehlern, die man macht, lernt man auch. Und sie helfen, zukünftige Entscheidungen zu gestalten. Also wenn du mich fragen würdest, ob ich das alles noch einmal tun würde: Ja, würde ich.

ferm Living - Daze Tagesdecke, sand

Was würdest du sagen macht den Erfolg von ferm Living aus?
Ich würde sagen, es ist eine Kombination aus unserer Fähigkeit, schöne Produkte zu entwerfen und ein wiedererkennbares, einzigartiges und warmes Design-Universum zu erschaffen. Darüber hinaus haben wir den Anspruch und den Mut, eine Organisation wachsen zu lassen und unsere internen Kompetenzen weiterzuentwickeln, da unsere Produkte immer mehr wunderbare Verbraucher erreichen. Letztendlich geht es darum, gute Leute an Bord zu haben - das ist meiner Meinung nach das Wichtigste in jedem Unternehmen.

ferm Living - Shay Patchwork Steppdecke, zimt

Wie kann man sich deinen Arbeitsalltag vorstellen?
Meine Tage sind sehr unterschiedlich. Wenn ich morgens gegen 7.30 Uhr das Haus verlasse, beginnt der Tag meist mit telefonischen Besprechungen im Auto auf dem Weg zur Arbeit.

Wenn ich in unserem Office "The Home of ferm LIVING" bin, ist die Zeit meistens mit Besprechungen ausgefüllt – einige operativ und andere kreativ. Meine Berufsbezeichnung ist Creative Director. Kurz gesagt, ich trage die Gesamtverantwortung für den kreativen Teil des Unternehmens, d.h. für das Design und den visuellen Ausdruck der Marke selbst.

Wer übernimmt dann die administrativen Aufgaben?

Im Jahr 2016 hatten wir die Möglichkeit, einen CEO, Peter Vedel, einzustellen, der die Verantwortung für den operativen Teil des Unternehmens (Verkauf, Finanzen, Logistik usw.) übernimmt. Ich bin sehr glücklich, dass ich die Möglichkeit hatte, mehr Zeit für die kreativen Aufgaben zu haben, da ich viele Jahre lang auch die Verantwortung für den gesamten Betrieb hatte. Peter und ich arbeiten trotz der Tatsache, dass unsere Profile enorm unterschiedlich sind, sehr eng und gut zusammen, aber dadurch ergänzen wir uns wirklich gut. Das ist eines der Dinge, für die ich sehr dankbar bin.

ferm Living - Herman Stuhl, Metallgestell

Und wie sieht deine Freizeit aus?
In meiner Freizeit verbringe ich den größten Teil meiner Zeit mit unseren Kindern und Freunden und lade meine Batterien auf, bis es wieder Montag ist.

Vor Corona sind wir viel gereist, sowohl mit der Firma als auch privat. Das ist im letzten halben Jahr sehr stark zurückgegangen und hat Platz für Projekte im Garten und in unserem Sommerhaus geschaffen. Dieses Wochenende planen wir für Oktober eine dreitägige Wanderung mit einigen Freunden – darauf freuen wir uns sehr. Aber ich vermisse es, rauszugehen und die Welt zu erleben und mich inspirieren zu lassen.

Was ist momentan dein Lieblingsprodukt von ferm Living?
Ich habe jede Saison neue Favoriten. Intern haben wir die Regel, dass wir keine Produkte auf den Markt bringen, die wir nicht auch selbst zu Hause wollen. Aber von den kürzlich eingeführten Produkten gefällt mir zum Beispiel der nachhaltige Desert Chair, dessen Bezug aus Recycling-Flaschen hergestellt wird, besonders gut. Außerdem liebe ich den Mineral Couchtisch mit seiner rauen Marmorkante sowie den Rotben Hocker, der aus recyceltem Aluminium gegossen wird.

ferm Living - Marble Table, weiß

Und – Hand aufs Herz – gibt es Designs, die dir persönlich nicht gefallen, aber die es trotzdem in euer Sortiment geschafft haben?
Es gibt tatsächlich einige Produkte, die wir zu Hause mittlerweile aussortiert haben, weil wir genug von ihnen hatten. Als wir sie gelaunched haben, haben sie mir alle aber dennoch gefallen – sonst hätten sie es wohl nicht in unser Sortiment geschafft.

Was würdest du sagen sind die Wohntrends für den Herbst/Winter 2020?
Auf die Gefahr hin, ein wenig abstrakt zu werden: Ich denke, die Pandemie hat in der Tat einen enormen Einfluss auf zukünftige Trends – auf die Art und Weise, wie wir leben, Prioritäten setzen und in gewisser Weise unser gesamtes Wertesystem relativieren. Sie ist eine große Inspiration für uns und wir arbeiten viel mit Präsenz und Taktilität in den Produkten. Unser Zuhause wird immer mehr zu einem Anker und zu unserem Zufluchtsort, an dem wir wir selbst sein und uns auf die Veränderungen einstellen können, die wir kommen sehen.

ferm Living - Wandhaken, schwarz

Wir arbeiten viel mit Gefühlen und Worten – und wir versuchen, dieses Gefühl mit der Designsprache unserer Produkte zu kommunizieren. Dafür brauchen wir jetzt eine beruhigende Farbgebung in einer schönen Abstufung von Ebenholz bis Elfenbein. Wir haben es gewagt, ein wenig "Mohnrot" hinzuzufügen, um dem Gesamtgefühl der Kollektion ein wenig Optimismus und Energie zu verleihen. Bei allen Materialien denken wir über Ehrlichkeit, Taktilität und Struktur nach, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, was uns mit Mutter Erde verbindet – die wir alle respektieren und schützen wollen.

ferm Living - Pujo Wandablage, schwarz

Und was treibt euch dabei am meisten an?
Unsere größte Ambition und unser größter Wunsch ist es, den Häusern der Menschen einen Mehrwert zu verleihen – unsere Kunden zu bereichern und zu inspirieren, damit sie sich zu Hause wohlfühlen können. Ein Zuhause ist viel mehr als nur schöne Dinge - wir hoffen, Sie können anhand unserer Kollektion erkennen, dass wir glauben, dass ein Zuhause ein Ort ist, der eng mit unseren Emotionen, Werten und unserer Denkweise verbunden ist.

In unseren neuesten Kollektionen haben wir viel mit den fließenden und unregelmäßigen Formen der Natur, mit taktilen Erfahrungen und unserer beständigen Liebe zum Kunsthandwerk gearbeitet.

ferm Living - Shell Pot, off-white

Ihr lebt noch gar nicht allzu lang in eurem Haus und dennoch wirkt es unheimlich gemütlich und einladend. Wir kreierst du dieses Gefühl von Zuhause und eine Wohlfühl-Atmosphäre?
Ich glaube, es geht darum, dass man schnell spüren kann, was für Menschen in dem Haus leben. Es geht uns nicht darum, ein perfektes Zuhause zu schaffen. Wir umgeben uns gerne mit Produkten, die uns gefallen oder die eine gewisse Bedeutung für uns haben. Wir sind an Kunst interessiert und scheuen uns nicht, Stile zu vermischen.

Vitra - Lounge Chair & Ottoman

Ich fordere mich gerne ein bisschen heraus, indem ich gelegentlich Dinge hinzufüge, die nicht per se schön sind, aber dem Raum meiner Meinung nach eine unbeschreibliche Energie verleihen. Ich mag es nicht, wenn die Dinge zu ordentlich werden. Wir sind so gut wie immer dabei, die Räume und das Gefühl des Hauses zu verändern und wir genießen es, Dinge auf Vintage-Flohmärkten, in Auktionshäusern und Kunstgalerien zu finden.

ferm Living - Alza Schale, Marmor schwarz

Wo im Haus haltet ihr euch als Familie am liebsten auf?
Wir sind am liebsten in der großen Wohnküche. Hier verbringen wir abseits des Unternehmens die meiste Zeit und kochen, spielen, entspannen und laden Gäste ein.

ferm Living - Herman Hocker, stapelbar

Wo findest du Inspiration?
Die kurze Antwort ist, dass man überall Inspiration finden kann. Sie kann in der kleinsten und in der unbedeutendsten Sache oder Erfahrung gefunden werden. Natürlich finde ich auch auf traditionelle Weise Inspiration, indem ich reise, auf Flohmärkte gehe, Bücher und Zeitschriften lese und mich dafür interessiere, wie wir und andere Menschen ihr Leben leben. Unsere eigenen Bedürfnisse sind die Grundlage für viele unserer Produktentwicklungen gewesen.

Wir sammeln alle ständig Eindrücke und wenn wir brainstormen, gießen wir unsere gemeinsamen Eindrücke von Farben, Formen, Emotionen und Worten in einen großen Trichter, wo sie gefiltert und verfeinert werden, sodass schließlich einige "reine Tropfen" herauskommen. Diese bilden dann die Grundlage für die Produkte, die wir als nächstes entwerfen.

ferm Living - Wooden Multi Shelf, Wandorganizer

ferm Living ist eine der beliebtesten skandinavischen Interior Brands und mit deinem wunderschönen Haus für deine Familie scheint ein echter Traum wahr geworden zu sein. Was sind deine nächsten großen Ziele und Visionen für die Zukunft? Für das Business, für dich persönlich und die Welt?
Eine wirklich komplexe Frage … Aber mein größter Wunsch für die Zukunft – für mich selbst, unser Unternehmen und die Welt – ist, dass sie nachhaltig ist. Sowohl konkret als auch im übertragenen Sinn.

ferm living - Marble Marmor Tisch, medium, weiß
Shay Quilt Kissen, 60 x 40 cm, desert von ferm Living
Shell Pot von ferm Living in off-white
Kelim Rug Merge 50 x 70 cm von ferm Living
Das Rico 3-Sitzer Sofa von ferm Living in Bouclé, off-white
Insert Beistelltisch von ferm Living in Esche schwarz gebeizt
Podia Couchtisch von ferm Living in schwarz
Die Haze Vitrine von ferm Living, Reeded Glas, in schwarz
Daze Tagesdecke, 250 x 240 cm, sand von ferm Living
Herman Stuhl von ferm Living in Fiord dunkelgrau / schwarz
ferm Living - Star Spieluhr, senf
Muses Vase Ania von ferm Living
Der ferm Living - Wandhaken schwarz / Messing in large
Hexagon Topf Large von ferm Living aus Messing
Desert Chair, cashmere / soil von ferm Living
Herman Wäschekorb von ferm Living in sand
Pujo Wandablage von ferm Living in Schwarz
Besticktes Kinder-Kissen "Banane" von ferm Living in weiß
Ferm Living - The Round Dorm, Hängeregal
Muses Vase Talia von ferm Living
Alza Schale von ferm Living in Marmor schwarz
Wooden Multi Shelf von ferm Living in Esche schwarz gebeizt
 
 

Vielen herzlichen Dank, liebe Trine, für all die privaten Einblicke in dein Zuhause und dein Leben. Wir wünschen dir und ferm Living weiterhin so viel Erfolg und freuen uns auf neue Designs!

Beitrag vom 14.10.2020, von Isabelle Diekmann

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