Homestory: Zu Besuch bei Alex Schäler (dieartige)

Alex Schäler ist der Inbegriff einer modernen Powerfrau. Die 40-jährige Crossover-Designerin arbeitet als Bloggerin, Grafikerin, Einrichtungsberaterin, Illustratorin und Raumgestalterin für ihr Gestaltungsbüro unter dem Namen „dieartige“. Gemeinsam mit ihrem Mann, drei Söhnen und dem Familienhund hat sie sich ihren Wohntraum erfüllt und lebt im selbst entworfenen Holzhaus nahe der Ostsee. Wir haben Alex besucht und uns von ihrer Lebensfreude, Kreativität und Motivation inspirieren lassen.

Homestory Die Artige - Portrait

Liebe Alex, du bist nicht nur Bloggerin, sondern arbeitest als Crossover-Designerin für dein eigenes Design-Studio – ein echtes Multitalent. Wie hat das alles angefangen und wann hast du den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt? Erzähl uns ein bisschen über dich…

Angefangen hat alles mit einem nicht wirklich zufriedenstellenden Jura-Studium. Nach einigen Semestern beschloss ich etwas zu studieren, das ich wirklich mit Leidenschaft tun würde. So bin ich im Grafikdesign-Studium mit „offensichtlichem Talent für Illustration“ gelandet. 

Mit dem ersten Kind zogen wir wieder zurück in unsere ostdeutsche Heimat. Allerdings waren hier schöne Dinge weit weniger gefragt, als die praktischen Seiten des Lebens. Das würde beruflich nicht leicht werden. 

Andererseits lagen berufliche Ziele – nun auch mit Kind Nummer Zwei – sowieso abgeschlagen auf Platz vier oder fünf und Schlafentzug, Haushalts-Management und Allzeitpräsenz im Fokus. In dieser stark energiegebundenen Zeit bearbeitete ich eher kleinere Aufträge quasi „nebenbei“ und entwickelte meine individuellen „Namensbilder“. Erst im September 2009 gab es ausreichend Freiraum, um endlich mein eigenes Designstudio zu gründen und damit auch online zu gehen. 

Dann gesellte sich ein neues Projekt hinzu: der Bau unseres neuen Familiendomizils. Nachdem alles mit der Frage „Wie dick ist eigentlich so eine Hauswand?“ begann, dauerte es etwa anderthalb Jahre intensiver Recherche und Weiterbildung bis ich tatsächlich unser Haus auf Millimeterpapier, aus Legosteinen, und schließlich in 3D höchstselbst geplant hatte. 2013 stand dann tatsächlich unser Projekt leibhaftig in einem wilden Garten vor uns. Und mit einem so gewachsenen Erfahrungsschatz lag es irgendwie auf der Hand, das Thema Raumgestaltung mit in mein Portfolio aufzunehmen.

Homestory Die Artige - Wohnzimmer 3

Und die Frage, ob ich mich selbständig mache, stellte sich eigentlich nie. Das stand irgendwie immer fest. Ob aus Sturheit oder Mut, ich gehe stets meinen eigenen Weg. Und das passt nicht wirklich zu einer Festanstellung. Dass ich mich außerdem ständig weiterentwickeln „muss“, nicht stillstehen kann, geschweige denn in Grenzen zu denken geneigt bin, ist wohl meinem Charakter zuzuschreiben. Ich bin ständig von Neugier und Möglichkeiten getrieben und kann unglaublich schlecht aufgeben.

In welchem all dieser Bereiche würdest du sagen, steckt am meisten Herzblut?

Hmmm, das ist gar nicht einfach. Am meisten kribbelt es wohl, wenn ich die Architektur oder ganze Räume völlig neu gestalten darf. Wenn ich Sichtachsen, Bezüge zwischen Raum und Funktion oder dem Innen und Außen schaffen kann, raumverändernde Wand-, Boden- und Deckenflächen bestimme und den Charakter des Interieurs festlegen darf. Aber ich beschäftige mich gerade mit dem Möbeldesign. Also wer weiß…

Neben deiner Arbeit kümmerst du dich auch noch um drei Kinder und einen Hund. Wie kriegst du all diese Dinge unter einen Hut?

Des Rätsels Lösung ist, dass wir ein Profi-Team zu Hause haben, das sich ziemlich ausgeglichen – hoffe ich zumindest [sie schmunzelt] – um die Alltäglichkeiten, Ansprüche und Besonderheiten aller Familienmitglieder kümmert. Danke, Lieblingsmann!

Und ganz ehrlich, ich bin zwar in gestalterischen Dingen perfektionistisch, aber die Kunst im Leben an den richtigen Stellen Kompromisse einzugehen und Prioritäten festzulegen, macht mittlerweile vieles leichter. Dazu gehört auch, dass ich meine Projekte so locker plane, dass mir Freiraum für Spontanes und Familienzeit bleibt. 

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Ich bin überzeugt, dass das perfekte Mittel, um Zuhause – und damit im Leben – entspannt und glücklich zu sein, darin liegt, authentisch und nicht perfekt zu sein. Und klar, sich mit dem zu umgeben, was einem am Herzen liegt – egal ob’s angeblich nicht zueinander passt. Das strengt nicht so arg an und schafft ein ehrlich individuelles Zuhause, in dem sich alle wohlfühlen, auch wenn gerade das Chaos wieder die Oberhand hat.

Homestory Die Artige - Sofaecke

Gibt es bei dir so etwas wie Alltag? Und wenn ja, wie sieht er aus?

Nun ja, es gibt auf jeden Fall einen äußeren festen Rahmen. Das Wörtchen „Alltag“ gebrauche ich nur mit Widerwillen [sie lacht]. Wenn die Kinder auf dem Weg zur Schule sind, trinke ich mit meinem Lieblingsmann meinen Morgenkaffee. Sobald er auf dem Weg ins Büro ist, setze ich mich in meines oder mache mich auf den Weg zu einer Baustelle. Oder ich versuche das Haus in Ordnung zu bringen, damit ein anstehender Kundentermin nicht im Chaos versinkt. Und manchmal beschließe ich am Morgen, dass ich heute mal nur das tue, worauf ich Lust habe. Dieser „Luxus“ führt dazu, dass meine Kreativität immer wieder aufs Neue Inspiration findet. 

Homestory Die Artige - Schlafzimmer 1

Nach dem Mittag gibt’s in der Regel eine Unterbrechung zum Durchatmen in Form einer Hunderunde quer über Wiesen und Felder. Mein Arbeitstag endet oft erst einmal, wenn die Buben am Nachmittag eintrudeln. Dann beginnt die Familienzeit. An einigen Abenden im Monat bin ich außerdem unterwegs, um mein Netzwerk zu pflegen und weiter auszubauen oder mich ehrenhalber zu engagieren.

Homestory Die Artige - Esszimmer 1

Wie würdest du deinen Einrichtungsstil beschreiben?

Vor solchen Fragen drücke ich mich gerne erfolgreich herum [sie lacht]. Denn ich behaupte, ich habe gar keinen Stil, den man in Einrichtungsschubladen stecken könnte. Zumindest war das nie mein Ziel, im Gegenteil – ich hoffe, dass ich einfach nur „meinen“ Stil habe. 

Aber doch, eines wird immer wieder sichtbar: Ich liebe dunkle und tiefe (Wand-)Farben, Holz, feines Metall, Wolldecken, Leinen und matte Oberflächen.

Du wohnst nahe der Ostsee. Beeinflusst die Lage am Meer deinen Wohnstil und dein Konsumverhalten?

Den Wohnstil auf jeden Fall, auch wenn wir nicht maritim eingerichtet sind. Aber unser Haus ist eine Kombination aus Moderne und Strandhaus. Im Obergeschoss, dem Strandhausbereich, gibt es eine weiße offene Balkendecke und runde Giebelfenster. Im Außenbereich gibt es viel naturvergrautes Holz, wiegende Gräser, kleine und große heimische Kieselsteine und natürlich die Holzlamellen-Schiebeläden außen am Haus. 

Im Haus gibt es viel natürliche Dekoration in Form von Schilf, Treibholz, Wiesenblumen, Seetang, geschliffenen Glasscherben und Co. Aber beim Zukauf von hübschen Dingen spielt das Meer keine besondere Rolle. Das wäre mir viel zu eindimensional.

Farbe an den Wänden gehört bei dir einfach dazu – worauf achtest du bei der Farbauswahl?

Darauf, dass die Farben nicht zu farbintensiv sind. Alle Farbtöne, die ich bisher ausgesucht oder selbst abgemischt habe, sind durch einen Stich ins Grau miteinander verbunden. Dadurch nehmen sich die Wandfarben etwas zurück und unterstreichen die Raumsituation, ohne sie zu beherrschen.

Homestory Die Artige - Terrasse

Auf deinem Blog schreibst du „Wohnen ist wie das Leben, ein Prozess ohne Stillstand“. Wie oft veränderst du etwas an deinem Zuhause?

Tja, wie oft? Also es gibt manchmal lange Ruhephasen, in denen sich wenig verändert. Außer Sofakissenbezüge, die wandeln sich ständig. Und dann kribbelt es in den Fingern und es ändern sich Strukturen, Kinderzimmer und Wandflächen und es wird eine völlig „neue Ordnung“ hergestellt. Außerdem kam ich noch nie in die Verlegenheit, kompromisslos alles so einrichten zu können, wie ich es gern hätte. Für einige Wünsche brauche ich eben etwas Geduld [sie schmunzelt]. Aber somit verteilen sich solche Einrichtungs-Glücksmomente ganz gut und bieten über die Zeit verschiedene Anpassungsmöglichkeiten.

Homestory Die Artige - Küche 1

In deinem Job und auch im Privaten scheinst du durch und durch kreativ zu sein. Wo findest du am meisten Inspiration?

Eine relativ zuverlässige Quelle ist mein Drang, Gewohntes in frisches Licht rücken und die Perspektive verändern zu wollen. Ich bin von klein auf ein sehr detailbewunderndes Wesen und bin immer ganz baff, wenn ich sehe, wie viele „Kleinigkeiten“ sich der Wahrnehmung anderer entziehen. Ich empfinde eine gewisse Achtsamkeit als Quelle des Glücks und möchte möglichst viele Menschen daran teilhaben lassen. Darauf lassen sich natürlich nicht alle ein. Aber ein „gut gemachter Raum“ erreicht eben jeden – bewusst oder unbewusst. 

Ach, ganz ehrlich und klar, ich schätze gesammelte Bildwerke, wie Pinterest als äußere Quelle der Inspiration sehr.

Homestory Die Artige - Kommode

Als Raumgestalterin musst du vollkommen auf deine Kunden eingehen und ihren Stil einfangen können. Wie gelingt dir das?

Das absolut Wichtigste ist, am Anfang aktiv und gut zuzuhören. Denn meist ist der erste und schwierigste Schritt, herauszufinden, was sich der Kunde wirklich wünscht. Hinzu kommen oftmals familieninterne völlig unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche, die es gilt – als Essenz – unter einen Hut zu bringen. 

Außerdem besteht zumindest meine Arbeit, immer aus zwei Komponenten. Einmal dem Handwerk – also den fachlich richtigen Entscheidungen – und dann den Stilfragen bzw. der emotionalen Seite. Perfekt wird‘s, wenn beide Komponenten harmonisch zueinander finden.

Mit dem Hausbau habt ihr euch wahrscheinlich einen großen Wohntraum erfüllt. Fühlst du dich in deinem Zuhause vollkommen angekommen oder wird es noch ein weiteres, großes Wohnprojekt geben? Vielleicht eine Stadtwohnung, ein Haus direkt am Strand, ein renovierter Resthof…?

Das ist definitiv eine Fangfrage… Mein Mann liest doch mit! Nein, kleiner Scherz. Er weiß ja, worauf er sich eingelassen hat [sie lacht]. Auf jeden Fall haben wir uns mit unserem Häuschen einen Wohntraum erfüllt. Für weniger hätte sich der Einsatz all der Ressourcen auch nicht gelohnt. Und obwohl wir noch immer keinen befestigten Weg zum Haus haben, sind wir ganz klar alle vollkommen angekommen.

Allerdings schaue ich heimlich schon mit einem Auge immer wieder nach Projektoptionen, um zum Beispiel ein charmantes Bed & Breakfast, einen Laden oder mit Vorliebe ein Haus am Meer mit kleiner Pension zu kreieren. Ein Airbnb-fähiges Loft dürfe ebenfalls mit auf die Hätte-Ich-Gerne-Liste... [sie schmunzelt]. Tja, auch Träume sind für mich ein energischer Motor, der mich stets weiter vorantreibt…

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Towel Ladder von Menu in Eiche dunkel / schwarz
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Vielen Dank, liebe Alex, für das offene Gespräch, die schönen Eindrücke und jede Menge Inspiration.


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Beitrag vom 21.11.2018, von Isabelle Diekmann

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