A&W Designer 2016: Jasper Morrison

Teilen
  •  Facebook
  •  Google+
  •  Twitter
  •  E-Mail
  •  RSS

Beitrag vom 20.01.2016, von Sabrina Pflüger

jasper Morrison A&W Designer 2016 Britisches Understatement ist in all seinen Objekten gegenwärtig. Seit nun mehr 30 Jahren entwirft Morrison puristische Entwürfe, die durch ihre Bescheidenheit jedoch nicht an Innovation verlieren. Unter dem Titel „Der Verfechter der Funktionalität“ kürte das A&W Magazin Jasper Morrison nun zum Designer des Jahres. Die begleitende Ausstellung im Kölner Kunstverein zeigt einige der über 600 Entwürfe des Designers in einer – typisch Morrison – puristischen Ausstellungssituation.

Ähnlich wie in früheren Ausstellungen wie - Take a Seat! im Les Arts Décoratifs Paris, wo Morrison 2009 einige Stuhlentwürfe ausstellte – reihen sich in der Vitra Ausstellung in Köln eine Übersicht seiner Entwürfe fast typologisch nebeneinander. Dabei sind nicht ausschließlich Stühle zu sehen, obwohl Morrison diese nach eigenen Aussagen am liebsten entwirft. Ausschnitthaft und dennoch charakteristisch zeigt die Ausstellung die Vielfältigkeit und den grundsätzlichen Leitgedanken von Morrisons Design. Von Geschirr, über Wohnaccessoires, Möbel und Leuchten bis hin zu einer Straßenbahn und einem Mobiltelefon hat Morrison schon so ziemlich alles designt. Dabei sind seine Entwürfe nie beliebig - vielmehr begeistern sie durch eine diskrete Formensprache, die sich nicht aufdrängt, sondern durch Einfachheit und Qualität besticht. Das Verständnis von Design ist laut Morrison vielmehr das Weglassen von Design. Das Fehlen einer vordergründigen Auffälligkeit ist geradezu zu einer Bedingung geworden. Funktionalität, Langlebigkeit und ein bewusster Umgang mit Materialien sind Kernpunkte, die das Design Morrisons beschreiben.

A&W Designer Vitra Ausstellung 2016 Jasper Morrison Seine Ausbildung absolvierte der 1959 in London geborene Morrison an der Kingston Polytechnic Design School, am Royal College of Art in London sowie an der Berliner Hochschule der Künste. Spätestens mit dem Auslandssemester in Berlin, wuchs auch die Verbundenheit zum Deutschen Design: Die Formensprachen von seinem Professor Nick Roericht waren es ebenso wie der Leitgedanke des Bauhaus.

1986 gründete Morrison schließlich sein Büro für Design in London. Seine frühe Bekanntheit verdankt der Designer unter anderem den zahlreichen Aufträgen des Londoner Möbelunternehmen SCP, das bereits während seiner Studienzeit einige seiner Entwürfe realisierte. Durch die Zusammenarbeit mit SCP wurde wiederum die italienische Firma Cappellini auf Morrison aufmerksam. Die Liste der Kooperationen und Hersteller ist seitdem kontinuierlich gewachsen und beinhaltet Namen wie Magis, Alessi und Flos ebenso wie Rosenthal, Sony und Vitra .

Verantwortungsvolles Design

Neben einer funktionalen und puristischen Formensprache ist es auch der verantwortungsvolle Umgang mit nachhaltigen Materialien, der Morrison am Herzen liegt.

"Das Beste, was ein Designer auf der physikalischen und materiellen Seite tun kann, ist, Materialien zu verwenden, die mit geringem Energieaufwand verarbeitet und leicht wiederverwertet werden können. Aber oft können Designer den industriellen Fertigungsprozess nicht steuern, insbesondere nicht in der Großindustrie, wo die Folgen für die Umwelt am größten sind. Am besten, Designer entwerfen Dinge für den langfristigen Gebrauch – Dinge, die natürlich gut aussehen und einwandfrei funktionieren".

Das umweltbewusste Denken äußert sich insbesondere in den Möbeln der Kork-Reihe, die aus recycelten Weinkorken gepresst und zugeschnitten wurden. Der Gedanke Kork als Material für seine Entwürfe zu verwenden, kam während einer Reise durch den Süden Spaniens auf. Während Morrison spanischen Handwerkern dabei zusah, wie sie aus Baumrinde Weinkorken gewannen, wurde ihm die vielfältige Verwendungsfähigkeit sowie die Nachhaltigkeit dieses Materials vor Augen geführt. Mit der Kork Familie macht sich Morrison die Eigenschaften dieses Rohstoffes zunutze. Nicht nur die Hocker selbst sind universell verwendbar, sondern auch das Material ist auf unterschiedlichste Altersgruppen zugeschnitten.

Vitra - Cork Family, 3er Gruppe Punkt. - Mobiltelefon MP01, schwarz The Crate - Beistelltisch

Universal Design

Die Simplizität der Entwürfe bezieht sich nicht nur auf die Optik, insbesondere der verständliche Umgang des Endproduktes ist ein Gestaltungskriterium in Morrisons Designphilosophie. „Design sollte immer intuitiv sein“. Die Form und Gestaltung soll bereits kommunizieren und den Konsumenten die richtige Handhabung erleichtert. Als einschlägiges Beispiel nannte Jasper Morrison einst das iPhone, das einfach benutzt werden könne, ohne vorher eine Gebrauchsanleitung lesen zu müssen. Universal Design nennt man solche Entwürfe, die generationsübergreifend verständlich und anwendbar sind. Dabei ist das iPhone, mit seinen vielfältigen Funktionen und dem Lifestyle-Design, genau das Gegenteil von dem, was man als Morrison-Design versteht. Ein Statement setzte der Designer nun mit seinem jüngsten Produkt – dem Mobiltelefon MP01 für Punkt. Reduziert aufs Wesentliche - dem Telefonieren - verständlich, funktional und langlebig ist das MP01 der Gegenentwurf zum aufgestylten und saisonalen Apple Phone.
Fast archetypisch und dabei trotzdem innovativ - einfach „Super Normal“, so könnte man die Produkte von Jasper Morrison beschreiben.

Parallel zur Imm Cologne kann die Ausstellung des A&W Designers noch bis zum 24. Januar im Kölnischen Kunstverein besucht werden.


Alle Beiträge der Kategorie Design-News

Filter


Zugehörige Marken



Zugehörige Designer