Die Geschichte des Radios

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Design im Wandel der Zeit

Tivoli Audio Model One - Tisch
Es steht in fast jeder Wohnung, es sorgt für Zerstreuung, unterhält oder vertreibt schlicht das Gefühl von Einsamkeit: das Radio. Das Drücken auf den Einschalter gehört für viele zum morgendlichen Ritual. Ein Gerät, das so selbstverständlich ist, dass wir es weder bewusst wahrnehmen noch in Frage stellen. Dabei hat das Radio eine Entwicklung hinter sich, die sich sehen lassen kann – mit dem Rundfunksystem auch das Radiogerät selbst.

Die Anfänge des Radios in Deutschland

Heute ein Nebenbei-Medium, war das Radio Anfang der 20er Jahre eine Revolution. "Achtung! Hier Sendestelle Berlin Voxhaus, Welle 400." – das waren am 29. Oktober 1923 die ersten Worte im deutschen Rundfunk. Fortan bestimmte das Radio das Lebensgefühl und den Alltag von Generationen.

Zu verdanken haben wir diese Entwicklung dem deutschen Physiker Heinrich Hertz, der Ende des 19. Jahrhunderts erstmals die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen in der Luft nachwies. Nachdem die Vorläufer des Radios - Detektorgeräte und Röhrenapparate - zunächst vor allem militärischen Zwecken dienten, wendete sich mit dem 29. Oktober 1923 das Blatt – das erste Unterhaltungsprogramm wurde gesendet. Es handelte sich zunächst um eine einstündige Sendung, die Musiker spielten Foxtrott – live im Studio. Trotz großer Skepsis aufseiten der Politik ging der Rundfunk seiner Wege – zur Zeit der Weimarer Republik standen Inhalte und Technik jedoch noch unter Kontrolle des Staates. Jedes Gerät brauchte eine Genehmigung der Reichspost. Es gab zunächst nur wenige Hörer. Wer sich nicht selber einen Detektorempfänger bauen konnte, konnte sich die ersten Empfangsgeräte kaum leisten.

Das änderte sich Ende der 20er Jahre: Dank neuer Fertigungsmethoden waren Röhrenradios preiswerter. Das erste am weitesten verbreitete Gerät wurde in Deutschland fünf Jahre lang von Audion, der damaligen Loewe-Audion GmbH, produziert - der Ortsempfänger OE333. Siegmund Loewe gehörte zu den Pionieren der Radiotechnik und wird in der englischsprachigen Literatur als "deutscher Henry Ford" beschrieben.

Revo - HeritageFür die ersten Radios brauchte man noch Kopfhörer. Die Einstellungen am Radio gingen leicht verloren, so dass die Hörer ständig nachjustieren mussten. Erst ab 1930 bekam das Radio eine Hülle. Die sperrigen Batterien der vormaligen Röhrengeräte wurden durch Strom aus der Steckdose ersetzt.

Radio-Design in frühen Jahren - von Prunkobjekten und Musikschränken

Designer entwarfen Radios in verschiedensten Formen – von der Standuhr über die Kasten- und Pultform bis hin zur Kathedrale (Bild links). Die Wiedergabe war irgendwann nicht mehr nur über Kopfhörer, sondern über Trichter und Lautsprecher möglich. Diese kamen als neue gestalterische Elemente hinzu und veränderten das Radio-Design erneut, ebenso wie die spätere Einführung des Drehkondensators für die Sendersuche. Der geringere Platzbedarf eröffnete Designern ganz neue Möglichkeiten. Schmuckvolle Verzierungen, aufwendige Holzinlets, Furnierklebearbeiten und Stoffblenden machten das Radio zum wahren Prunkobjekt. Auch in der Größe gab es keine Grenzen: Vom Tischgerät bis zum Musikschrank war über die Jahre alles erhältlich.

Von der exklusiven Unterhaltung zu Massenmedium und Propagandamaschine

VolksempfängerAb 1933 kontrollierten die Nationalsozialisten den Rundfunk. Propagandaminister Joseph Goebbels ließ ein billiges Gerät produzieren – den Volksempfänger – und machte das Radio so zum Massenmedium. Der Volksempfänger (Bild links) war ein modernes Industrieprodukt: Walter Maria Kersting hatte ihn schon 1928 entworfen. Das Gehäuse war klar gegliedert und funktionalistisch. Wie das typische Radio der 30er Jahre wurde es aus Bakelit gefertigt, der erste rein synthetische Kunststoff. Formbar, langlebig und preiswert eignete es sich gut zur billigen Nachahmung des Art-Déco-Stils – perfekt für die industrielle Massenproduktion. Mit seinen abgerundeten Ecken und den geschwungenen Linien der Senderanzeige wies der Volksempfänger klare Kennzeichen der Art Déco auf. Im Unterschied zu vergleichbaren Radios in Frankreich oder den USA konnte man mit dem Volksempfänger keine ausländischen Sender empfangen, sondern nur die örtlichen Rundfunkstationen. Auf diese Weise stellten die Nationalsozialisten den Volksempfänger ganz in den Dienst ihrer Ideologie. Damit sich jeder den Volksempfänger leisten konnte, war er staatlich subventioniert, und es gab die Möglichkeit des Ratenkaufs.

Sparton Table RadioEines der ersten Radios, das komplett aus Bakelit gefertigt wurde und sich am Art Déco-Stil orientierte, war auch das Beolit 39 (1938) von Bang & Olufsen. Der Name „Beolit“ leitet sich vom Material Bakelit ab, das Präfix „Beo“ zieht sich durch die zukünftigen Produktserien des dänischen Unternehmens. Bang & Olufsen machte in den 20er und 30er Jahren besonders durch technische Neuerungen auf sich aufmerksam. So erfand das Unternehmen zum Beispiel eine Art Adapter für den Netzbetrieb vormals batteriebetriebener Radios.

Design-Geschichte schrieb zu dieser Zeit auch das Sparton Table Radio von Walter Dorwin Teague (Bild rechts). Die stromlinienförmige Gestalt war typisch für die 30er Jahre, sie sollte Dynamik vermitteln und löste langsam die Kastenform ab. Heute steht der Rundfunkemfpänger im Brooklyn Museum.

Einzug der Demokratie und Radios mit Kultcharakter

Operette 50 von TelefunkenNicht lange nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands verstummte der letzte Sender des Propagandafunks. Das Radio durfte nach dem Willen der drei westlichen Siegermächte nie mehr zentrales Instrument der Informationsvermittlung werden. Demokratische Ideen erhielten Einzug in das Rundfunkprogramm. Es war wieder auf Unterhaltung, Kultur und Bildung ausgelegt und sollte über den Nationalsozialismus aufklären. 1949 wurden die Sender in deutsche Hände übergeben und 1950 schlossen sich die Anstalten zur ARD zusammen, der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands. Ein Meilenstein war erreicht.

Erste Radios mit Ultrakurzwellen-Empfang wurden produziert – darunter auch Operette 50 von Telefunken (Bild links). Zunächst konnten sich jedoch nur wenige Hörer die teuren UKW-Geräte leisten.
Das änderte sich in der Zeit des Wirtschaftswunders. Es entstanden Audiogeräte, die – technisch optimiert – noch heute produziert werden und mittlerweile Kultcharakter haben. Dazu gehört das Model One von Tivoli Audio (Bild oben), ein Entwurf von Henry Kloss Anfang der 60er Jahre.

Pop und Privatfunk – von der Lieblingszeit zum Lieblingssender

SternrecorderWas wir heute kaum glauben können: Bis in die 70er Jahre schalteten die Hörer das Radio ganz gezielt für eine bestimmte Sendung ein. Hörer hatten ihre Lieblingszeit, nicht aber ihren Lieblingssender. Mit der Einführung des Fernsehens – die große Konkurrenz des Radios – wurde das Radio immer mehr zum Begleitmedium. Die Hörer warteten nicht mehr, bis „ihre“ Sendung kam. Entsprechend boten die Sender mehr Abwechslung, mehr Nachrichten, schnellere Berichterstattung und viel Musik. Die ARD-Anstalten starteten Anfang der 70er Jahre zusätzliche Pop- und Servicewellen. Die SWF 3-Sendung "Pop Shop" wurde zum Hörermagnet.

Zu dieser Zeit entwickelten sich aus den einfachen, meist tragbaren Transistorradios Stereo-Gerätekombinationen mit Kassettenrecordern und zehn Jahre später auch mit CD-Spieler. Bis Ende der 80er Jahre waren diese meist boxartigen Radiorekorder weit verbreitet.

Der Rundfunkstaatsvertrag von 1987 gestattete schließlich die generelle Zulassung privater Rundfunkanbieter. Stadtradios und landesweite Programme eroberten den Radiomarkt – eine schwierige Zeit für die öffentlich-rechtlichen Sender.

Die Radio-Wende im Internet-Zeitalter

Mit dem Internet verlor das Radio seinen Status als schnellstes Medium – und auch ein bisschen seiner Relevanz. Musik lässt sich auch online hören. Radiosender sind aus diesem Grund verstärkt im Internet präsent – mit einem Livestream ihres Programms, aber auch mit einer Internetpräsenz, um den Austausch mit den Hörern zu stärken. Außerdem gibt es unzählige Webradios für jeden beliebigen Musikgeschmack – rund um die Uhr abrufbar. Podcasting und Audio on Demand ermöglichen es, bestimmte Beiträge zu abonnieren oder herunterzuladen und zu einer beliebigen Zeit anzuhören.

Highend-Technik trifft auf Nostalgie-Design

Revo - HeritageDie heutigen Radiogeräte passen sich den Anforderungen der modernen Welt an. Auf klassische Stilelemente, die dem Radio seine charakteristische Optik verleihen, wird dabei nicht immer verzichtet. Ein Paradebeispiel für die fließende Integration modernster Digitaltechnik in klassisches europäisches Design ist das Heritage Digitalradio von Revo (Bild rechts). Es mutet an, wie das Radio, das wir noch aus unserer Kindheit kennen bevor es das Internet gab, tatsächlich bietet es Features wie eine iPod-Dockingstation und unterstützt zum Beispiel Internetradio über WLAN.
Im Retro-Look erscheint auch das SuperConnect Digitalradio von Revo. Ein Gehäuse aus Amerikanischer Walnuss, anodisiertem Aluminium und Stahl sorgt für den klassischen, edlen Look und lässt nichts von der dahinterliegenden hochmodernen Technik erahnen.

Neben den klassisch anmutenden Objekten gibt es auf dem Markt zahlreiche neue Entwürfe des Radios. Die technischen Möglichkeiten und der geringe Platzbedarf von Funktions- und Bedienelementen lassen den Designern freie Hand bei der Umsetzung ihrer Ideen. So hält sich Radio-Design im 21. Jahrhundert an keine Grenzen – weder optisch, funktional noch bei der Materialwahl. Marc Berthier entwarf 2000 mit dem Tykho Radio von Lexon ein Gerät, dessen Oberfläche vollständig aus Gummi besteht.

Beoplay Audiosystem von Bang & OlufsonIn anderen Radios tritt die Technik offensichtlich in den Vordergrund – so wie bei dem Lexon Flow Radio. Im minimalistischen Stil auf das Nötigste reduziert, macht die transparente Hülle keinen Hehl aus der Technik, die hinter dem scheinbar simplen Gerät steckt.

Radio-Design wird eine Frage der Usability

Mit immer mehr Features begegnen die modernen Radios den Anforderungen der Hörer – kabellos und akkubetrieben, tragbar, mit echtem HiFi-Klang, digitalem Verstärker, WLAN- und Bluetooth-Empfang, Touch-Bedienelementen und vielem mehr. Folglich spielen im Industriedesign zunehmend Fragen der Usability eine Rolle. Designer arbeiten nicht länger nur daran, der Technik ein überzeugendes Äußeres zu verliehen. Sie sehen sich vor der Aufgabe, die Bedienbarkeit bei all den Funktionen zu erhalten und sie mit einer ansprechenden Optik in Einklang zu bringen.

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