Aus dem Azubi-Leben - der erste Schultag

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Beitrag vom 09.09.2015, von Annika Schneid

Portraitbild- Blog-Beitrag Annika Ein neuer Job, eine neue Schule, eine neue Klasse. Am Abend vor dem ersten Berufsschultag ist jeder Azubi ein bisschen aufgekratzt. "Wie ist meine neue Klasse?", "Wie sind meine neuen Lehrer?". Dabei sind solche Fragen gar nicht nötig. Es ist nicht wichtig wie oft wir uns in den Sommerferien, in bester High-School Musical-Manier, den Satz „Dieses Jahr wird alles anders“ vorgemurmelt haben. Ein erster Schultag hat seine eigenen, immer gleichen Regeln. Schule bleibt nun mal Schule, egal ob wir sechs oder 22 sind.

Wo bin ich gelandet?

Wer erinnert sich noch an seinen ersten Schultag? Also, den allerersten? Wart ihr aufgeregt? Habt ihr euch Fragen gestellt wie: „Wie sind meine neuen Mitschüler?“ oder „Was werde ich lernen?“. Da ich aus einem kleinen Dorf stamme, war ich damals nicht sonderlich neugierig auf meine neuen Klassenkameraden. Auf dem Land kennt jeder jeden. In der Berufsschule ist das anders. Das Schulsystem habe ich in den letzten Jahren mehr oder weniger lieben gelernt. Ich gehe also davon aus, nicht mehr großartig überrascht zu werden. Dennoch, ich werde das erste Mal „alleine“ eingeschult. Neben mir stehen nicht, wie sonst, meine Freundinnen. Sie sind, genau wie ich, raus in eine Stadt gezogen: Hamburg, Bremen, Berlin. Jede für ihren eigenen Berufswunsch. Bei mir war der ganz klassisch: Irgendwas mit Medien. Eine Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation ist es geworden.

Also, da stehe ich jetzt vor meinem neuen Schulgebäude und frage mich: „Wen kenne ich? Wen kennen die anderen?“. Mit Glück: Ein oder zwei Personen, die im selben Betrieb arbeiten. Mit Pech: Niemanden. Also betritt jeder für sich das Gebäude, der Blick suchend. Im Kopf spulen Fragen wie „Wer könnte in meiner Klasse sein?“ und „Wo muss ich überhaupt hin?“.Suck UK - House Page Markers Für Außenstehende sieht das alles wahrscheinlich wie eine merkwürdige Art von Tanz aus: Blick auf den Raumplan, Blick in die Menge, Schritt nach vorne, Schritt zur Seite, eine kurze Pause und warten auf andere suchende Gesichter. Schließlich schafft es dann doch jeder in seinen Klassenraum. Raumplan sei Dank!

Eigentlich alles wie immer

Im Klassenzimmer angekommen ist auf einmal alles ganz einfach. Schon in den ersten zwei Stunden treten die bekannten Regeln wieder in Kraft. Die Tür zu deinem Raum ist auf? Renn! Es sei denn du willst das nächste halbe Jahr in der ersten Reihe sitzen. Namenschilder? Werden bei Lehrern nie aus der Mode kommen. Trinken und Essen im Raum? Du machst wohl Witze, verboten! Handys? Frag besser gar nicht.
Eigentlich sollte man dankbar für das Kaffeeverbot im Klassenraum sein. Denn wenn man bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen Gesprächsstoff mit seinem Sitznachbarn hatte, hier ist er. Zu Kaffeeentzug gibt es nur eine Meinung.
In den nächsten beiden Stunden gibt es altbekannte Kennenlernspiele. Solche bei denen man dem Buchstaben seines Nachnamens Attribute zuordnen soll. 12 Jahre Schule scheinen mich darin nicht wirklich verbessert zu haben. Meine Einfälle sind wenig zutreffende Worte wie „schnittig“ und „niedrig“. Stilvoll und aufgeräumt Ein Blick auf den Zettel links von mir beruhigt mich. „Robust“ und „urig“ klingt auch nicht viel besser. Zu meiner Zeichnung von mir sage ich besser nichts.

Kurz vor Ende des Schultages dann der erste Dämpfer. Auch der Rest meiner Klasse scheint nicht sonderlich begeistert von dem Anblick, der sich uns bietet. Die kleine schwarze Digitalkamera kann nur eins bedeuten: die angedrohten Fotos für die Schulkartei. Das ganze läuft genauso ab, wie ich es mir vorgestellt hatte. Oder, um es mit den Worten meiner Sitznachbarin zu sagen: „Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht, es ist schlimmer.“ Das Ergebnis meines einminütigen Fotoshootings kann sich sehen lassen. Dank des Kamerablitzes werde ich den Lehrern die nächsten zwei Jahre, mehr oder weniger freudig, aus der Kartei heraus zuzwinkern.

Am Ende meines ersten Tages kenne ich mein Schulgebäude dank zweifacher Schulführung ziemlich gut, meine Reaktionsfähigkeit hat mich mal wieder in die erste Reihe befördert und mein Foto ist traditionell nicht das Beste. Abends denke ich: „Ich weiß beim besten Willen nicht, warum ich mir solche Gedanken gemacht habe. War doch eigentlich alles wie immer.“

Sätze an denen ihr am ersten Schultag garantiert nicht vorbei kommt:

  • „In welchem Betrieb arbeiten Sie denn?“
  • „Haben Sie schon eine Schulführung bekommen?“
  • „Sie haben aber alle freundliche Gesichter.“(Heißt: „Ich werde in den nächsten Minuten ein Foto von Ihnen machen.“) Tipp: Auf eine der Toiletten verschwinden, die bei der Schulführung gezeigt wurden. Jeder andere abschließbare Raum sollte jedoch auch seinen Zweck erfüllen.
  • „Das WLAN-Netz ist für schulische Zwecke, nicht für YouTube.“
  • „Handys gehören in der Unterrichtszeit in die Taschen.“ (Heißt: „Es ist mir egal, ob Ihre Freunde grade ihr Essen auf Instagram posten.“)
  • „Könnten Sie bitte ein Schild mit Ihrem Namen vor sich auf den Tisch setzen?“

In meiner Connox-Schultüte waren neben einer Menge zu Naschen übrigens ein Moleskine Kalender, Bleistifte von Design Letters, Suck UK House Page Markers und ein Taschenrechner von Mondo.


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