10 Jahre Connox - Interview mit den Gründern

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Beitrag vom 31.07.2015, von Anja Beckmann

Connox-Geschäftsführer Thilo Haas & Kristian LenzEin moderner Online-Shop, optisch ebenso minimalistisch wie die meisten der 12.000 Designmöbel und Wohnaccessoires im Sortiment. Jeden Tag Design-Neuheiten. Bestellungen aus der ganzen Welt. 45 Mitarbeiter im Hintergrund. Das ist Connox, wie wir es heute kennen. Aber was hat uns zu dem gemacht, was wir sind? Wo geht’s hin? Und woher kommt der Name „Connox“? Ich nehme unser 10-jähriges Shop-Jubiläum zum Anlass, das letzte Jahrzehnt einmal Revue passieren zu lassen. Wer könnte mir all meine Fragen besser beantworten als die Gründer selbst, unsere Geschäftsführer Thilo Haas und Kristian Lenz, – und die haben nicht mit Anekdoten gespart.

Wo habt ihr euch kennengelernt? Und wie ist es dazu gekommen, dass ihr einen Wohndesign-Versand gründetet?

Thilo (l.): Wir sind zusammen auf das Gymnasium in Burgdorf gegangen. Zwischenzeitlich haben wir uns aus den Augen verloren, beim 10-jährigen Abitreffen sahen wir uns jedoch wieder. Wir haben schnell gemerkt, dass sich unsere Kenntnisse und Fähigkeiten gut ergänzen. Ich hatte mich bis dahin mit der Haas Media GmbH als Programmierer und IT-Dienstleister selbständig gemacht, jedoch schon über einen Richtungswechsel nachgedacht. Kristian hatte bereits einige Jahre im Online-Handel gearbeitet. Er brachte jede Menge Erfahrungen, Kontakte und Wissen über das Marktsegment mit. Also entschlossen wir uns relativ spontan, uns zusammenzutun und einen Online-Shop für Wohndesign zu eröffnen. Aus der Haas Media GmbH wurde die Connox GmbH.

Warum Wohndesign?

Kristian (r.): Das war wohl mein Einfluss. Während meines Studiums der Wirtschaftswissenschaften fing ich an, mich für Architektur zu interessieren. Damals war hiermit noch eng die Inneneinrichtung verbunden. So bin ich auf das Thema gekommen und habe mich immer stärker speziell für Design und Einrichtung interessiert. Kurze Zeit habe ich sogar darüber nachgedacht, mein Studium zugunsten eines Architektur-Studiums abzubrechen. [Lacht.] Später habe ich dann mal einen Designstuhl von Cappellini entdeckt, den Y Chair von Christophe Pillet. Den einzigen Hinweis, den ich auf den Stuhl hatte, war der Designer – und dann ging die große Suche los! Damals habe ich schon darüber nachgedacht, dass es einen zentralen Ort geben müsste, an dem man all diese Designobjekte finden kann. Das war vielleicht ein weiterer Anreiz...

Und warum „Connox“? Woher kommt der Name?

Thilo: Das war gar nicht so einfach. Wir haben zwei Monate lang nach einem Namen gesucht. Er sollte gut aussehen, etwas Symmetrisches haben und natürlich noch nicht belegt sein. Gerade für die Rankings bei Google war es wichtig, einen Namen zu finden, bei dem wir mit niemanden um die ersten zehn Plätze konkurrieren müssen.

Kristian: Als wir auf „connox“ kamen, fanden wir bei Google nur zwei Einträge: Einer verwies auf Heft 1761 der deutschen Science-Fiction-Reihe „Perry Rhodan“, der andere auf eine erloschene Firma in Belgien. Der haben wir später dann die Internetadresse connox.com abgekauft. Wir hatten von da an also freie Hand, diesen Namen mit eigenen Werten zu belegen. Er sollte für Qualität stehen und für einen erstklassigen Service.

Hier in der Eckenerstraße am Alten Flughafen stehen uns mehr als 3.200 Quadratmeter Büro- und Lagerfläche zur Verfügung. Damit habt ihr aber ganz bestimmt nicht angefangen, oder?

Unternehmenssitz Connox GmbHThilo: Nein, angefangen haben wir auf 180 Quadratmetern in einer alten Postfiliale in der Bothfelder Straße im Stadtteil Hannover List. Fast zwei Jahre lang waren wir dort. Dann war das Lager so voll, dass wir nur noch zwischen überfüllten Regalen arbeiten konnten. Beim letzten Weihnachtsgeschäft in der alten Postfiliale mussten wir die fertig gepackten Pakete bis zur Abholung auf dem Bürgersteig auftürmen, weil im Gebäude nicht genug Platz war. Zum Glück hat es nicht geregnet oder geschneit! Zwei Umzüge brauchte es, bis wir hier am Alten Flughafen landeten. Dadurch, dass wir ständig gewachsen sind, konnten wir nirgendwo besonders lange bleiben.

Erzählt unseren Lesern mehr über die Anfänge.

Thilo: Wir sind mit nur zehn Produkten an den Start gegangen und haben uns peu à peu an mehr herangetastet. So konnten wir von Beginn an ohne externe Mittel auskommen. Wir hatten zunächst auch nur einen Mitarbeiter: einen IT-Spezialisten, mit dem wir die EC Suite – damals noch eCommerce-Suite – programmiert haben. Wenn ich jetzt so daran zurückdenke, waren das noch ganz andere Zeiten. Als die erste Bestellung eintraf, war der Jubel groß. [Lächelt bei der Erinnerung.] Die ersten Rechnungen wurden noch mit Word geschrieben, weil unsere Shop-Software noch nicht fertig war.

Kristian: Es lief natürlich auch nicht alles direkt rund. Wir mussten die Hersteller zunächst von unserem Konzept überzeugen, Möbel und Wohnaccessoires online zu verkaufen. Damals hieß es noch, im Internet würden die Preise kaputt gemacht. Viele Hersteller wollten den stationären Handel schützen und weigerten sich zunächst, ihre Produkte online zu vertreiben. Als Vorreiter im Bereich Wohndesign hatten wir entsprechend hohen Erklärungsbedarf. Wir wollten nie ein Shop sein, der Produkte einfach billig weiterverkauft, sondern ein Fachhändler, der lediglich das moderne Medium Internet nutzt. Das haben auch die Hersteller irgendwann verstanden.
Und dann war der Anfang natürlich auch echt harte Arbeit. Wir haben hier zu Beginn sechs Tage die Woche gearbeitet, teilweise bis in die Nacht hinein. Irgendwann konnten wir sagen, dass wir die Samstagsarbeit jetzt einstellen können. Ein echter Meilenstein – haben wir uns gefreut! Weil immer mehr Bestellungen einliefen, haben wir irgendwann eine erste Aushilfe eingestellt – und so ging es weiter.

10 Jahre, jedes Jahr Wachstum im zweistelligen Bereich, jedes Jahr neue Mitarbeiter, ein Sortiment mit mehr als 12.000 Artikeln, Tausende von Kunden, Bestellungen aus der ganzen Welt – hättet ihr das erwartet, als ihr Connox ins Leben gerufen habt?

Thilo: Nein, natürlich nicht. Die Entwicklung ist im Nachhinein betrachtet schon Wahnsinn!

Kristian: Ganz so pessimistisch habe ich das nicht gesehen…

Was ist aus eurer Sicht unser Erfolgsgeheimnis?

Thilo: Von Beginn hatte der Kundenservice bei uns höchste Priorität. Wir möchten den Kunden ein Einkaufserlebnis bieten und stehen ihnen hierbei mit einem mittlerweile achtköpfigen Serviceteam zur Seite. Zu gutem Service gehört für uns auch eine schnelle Lieferung. Ist die Ware auf Lager, halten unsere Kunden ihr Päckchen bei einer Bestellung bis 15 Uhr schon am nächsten Tag in den Händen. Da wir einen großen Teil unseres Sortiments auf Lager haben, klappt das in sehr vielen Fällen. All das wissen unsere Kunden zu schätzen. Auch bei der Weiterentwicklung unseres Shops orientieren wir uns natürlich nur am Kunden. Regelmäßige Umfragen zeigen uns, was ankommt.

Kristian: Ein Wettbewerbsvorteil sind ganz bestimmt auch unsere eigens entwickelte Shop-Software „EC Suite“ und unser IT-Team. So können wir gesetzliche Anpassungen – zum Beispiel in Sachen Datenschutz – unmittelbar und unkompliziert implementieren. Generell verändern sich die Anforderungen des Marktes heute unheimlich schnell. Unser eigenes IT-Team ermöglicht es uns, diesen Anforderungen zeitnah zu begegnen und mit unserem Shop stets auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Das ist lange nicht selbstverständlich.

Von IT bis Marketing machen wir fast alles inhouse, lagern nur wenige Bereiche aus. Ist auch das ein Erfolgsgeheimnis?

Thilo: Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern verfügen wir als Gründer über IT-Expertise. Im Zusammenspiel mit unserer jahrelangen Erfahrung sind wir in der Lage, Entwicklungen im Netz frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Zudem sind wir ein gebranntes Kind. Vor fünf Jahren „wagten“ wir mal die Zusammenarbeit mit einer großen Online-Marketing-Agentur. Die hat uns mit Ihrer Arbeit fast an den Rand des Ruins gebracht! Fehler im Online-Marketing werden halt gnadenlos bestraft. Insofern ist es meines Erachtens gut und richtig, alle Fäden selbst in der Hand zu halten. Wir kennen unsere Kunden und unser Sortiment am besten.

Warum habt ihr damals auf eine Eigenentwicklung gesetzt?

Kristian: Die Shop-Systeme, die 2005 am Markt erhältlich waren, entsprachen einfach nicht unseren Anforderungen. Sie waren nicht flexible genug, die Strukturen der Warenwirtschaft sowie die verfügbaren Designs haben zu wünschen übrig gelassen. Außerdem hatten wir schon damals den Anspruch, unseren Shop für Suchmaschinen zu optimieren. Das war mit den verfügbaren Systemen nicht möglich. Durch unsere EC Suite waren wir zum Beispiel einer der ersten Online-Shops mit sprechenden URLs.

Thilo: Von Beginn haben wir unsere EC Suite als Standard-Software entwickelt, so dass auch andere Shops sie nutzen konnten. So waren wir immer auch IT-Dienstleister. Ein zweites Standbein, wenn man so will. Die Nachfrage wuchs. Im September 2014 haben wir unsere IT-Abteilung in die Quillo GmbH ausgegründet, um dieses Jahr mit unserer EC Suite offiziell an den Markt zu gehen.

Es klingt nun zwar so, aber ich weiß ja, dass der Shop-Alltag nicht immer nur wie geschmiert läuft. Was sind die Herausforderungen?

Thilo: Zu einer der alljährlichen Herausforderungen gehört auf jeden Fall das Weihnachtsgeschäft. Wie fast jedes Handelsunternehmen im B2C-Bereich haben wir vor Weihnachten Hochkonjunktur. Das heißt, wir müssen in dieser Zeit mit einem Vielfachen an Bestellungen umgehen. Schon im September fangen wir an, diese Zeit vorzubereiten, indem wir das Lager auffüllen. Spätestens im Dezember jedoch erfordert das Saisongeschäft eine hohe Flexibilität – und zwar von allen Abteilungen. Der Kundenservice arbeitet auch am Wochenende, im Lager werden täglich Pakete im vierstelligen Bereich auf den Weg gebracht und alle anderen Abteilungen unterstützen die Kollegen aus dem Lager. Auch wir packen mit an. Eine schöne Gelegenheit, um Arbeitsprozesse zu hinterfragen und mit Ideen zur Optimierung ins nächste Jahr zu starten. Letztendlich gilt: Nach dem Weihnachtsgeschäft ist vor dem Weihnachtsgeschäft!

Kristian: Als Online-Shop stehen wir unter dauernder Beobachtung, wir präsentieren uns und unsere Arbeitsweise sozusagen auf dem Silbertablett. Es gibt viele Leute, die kritisch jede gesetzliche Änderung verfolgen und nur auf Fehler warten. Erst vor kurzem hatten wir aufgrund fehlender Angaben bei Elektrogeräten mit zahlreichen Abmahnungen zu kämpfen. Solche Fälle haben uns gelehrt, penibel auf gesetzliche Vorgaben und Veränderungen zu achten. Auch, wenn unsere Kunden zum Beispiel die Energielabel auf den Leuchtenbildern nicht so gern sehen.

Thilo: Im qualitativ hochwertigen Segment haben wir immer wieder auch mit Betrügern zu tun. Zwar prüfen wir, ob Käufer vertrauenswürdig sind, jedoch gibt es immer mal wieder Zwischenfälle. Unter anderem hatten wir es mal mit einer von uns benannten „Marokko-Connection“ zu tun, bei der wir eine Vielzahl an Bestellungen nach Frankreich, Spanien und Italien auslieferten. Bei der Analyse dieser Betrugsfälle stellte sich im Nachgang heraus, dass alle Bestellungen aus Marokko getätigt wurden. Seitdem machen wir in unserer Software einen Abgleich zwischen Bestell- und Lieferland und weisen bei Abweichungen gegebenenfalls einen entsprechenden Warnhinweis im Auftrag aus.

Wir liefern bereits in verschiedenste Länder weltweit. Gibt es ein Land, in das wir nicht liefern?

Thilo: Wir liefern überall dorthin, wo man unsere Produkte haben möchte. Klar, nicht jeder Zipfel der Erde ist einfach zu erreichen, aber machbar ist alles. Wir mussten mal den Globus von Le Corbusier nach Gibraltar liefern. Auf Grund des militärischen Sicherheitsbereichs haben wir damals keine Spedition finden können, die den Globus ausliefern konnte, so dass wir das letzte Stück mit einem Lastentaxi liefern mussten. Diese Lösung hat uns durchaus gefordert.

Was sind unsere Ziele und Pläne für Connox? Ich habe etwas von einer magischen Grenze und Internationalisierung gehört…

Thilo: Richtig. Zunächst einmal wollen wir dieses Jahr die 10-Millionen-Euro-Umsatzmarke erreichen. Lange haben wir darauf hingearbeitet, so dass die 10 Millionen für uns tatsächlich schon fast eine magische Grenze sind. Die Chancen stehen jedenfalls gut. [Lächelt.] Und dann sind wir auf der Suche nach einem neuen Firmensitz. Das wachsende Sortiment und die vielen neuen Mitarbeiter fordern ihren Tribut. Mit den 2.400 Quadratmetern Lagerfläche stoßen wir erneut an unsere Grenzen. Um die Zeit bis zum dritten Umzug zu überbrücken, werden wir einige Regale im Lager zunächst durch Hochregale ersetzen und so neue Palettenstellplätze schaffen. Außerdem haben wir einen zweiten Lagerstandort angemietet.

10 Jahre Connox - eine interaktive ChronikKristian: Auch die Internationalisierung wollen wir vorantreiben. Noch dieses Jahr werden wir den französischen Shop connox.fr eröffnen. Im Laufe des nächsten Jahres sollen weitere Shops folgen. Für die Übersetzer ein Mammutprojekt: Sie haben große Augen gemacht, als wir um ein Angebot für die Übersetzung von mehreren Millionen Wörtern gebeten haben. [Lacht.]

Vielen Dank für das Gespräch!

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Sie haben noch eine Frage an unsere Geschäftsführer? Dann schreiben Sie uns an mitmachen@connox.de und wir ergänzen das Interview.


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