Trendfarben und wie sie entstehen

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Beitrag vom 26.02.2016, von Anja Beckmann

Die Vitra Ball Clock vereint minimalistisches Design mit dem Lebensgefühl der 50er und 60er JahreNeues Jahr, neue Trends – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Veränderte Silhouetten in der Mode, neue Inspirationen beim Einrichten und noch nicht gesehene Lifestyle-Phänomene, jedes neue Jahr hält viele Überraschungen für uns bereit. Farben sind der Mode ebenso unterworfen wie Kleidung oder Musik und damit wir nicht ganz unvorbereitet ins neue Jahr gehen, informieren uns Einrichtungsmagazine, Blogs und Publikumsmessen darüber, welche Farbtöne morgen „in“ und welche „out“ sind.

Doch wie lässt sich überhaupt voraussagen, was angesagt ist? Seit den achtziger Jahren kümmert sich die Berufsspezies der Trendforscher um die Prognose von gesellschaftlichem Wandel in Mode, Konsum, Freizeit und Unterhaltung. Im Auftrag der Industrie versuchen sie, den Geschmack der Kunden zu erahnen, denn neue modische Strömungen sind nicht nur eine angenehme Abwechslung für den Konsumenten, sie sind auch ein wichtiger ökonomischer Motor.

Dabei ist eine genaue Beobachtungsgabe das wichtigste Instrument der Trendforscher. Sie schließen aus beobachteten Veränderungen auf künftige Entwicklungen: Sobald sich ein Thema auffällig häuft und so besonders evident wird, lässt sich ein Trend erahnen. So gesehen erfinden Trendforscher nichts Neues, sondern sie erkennen und benennen nur frühzeitig ein Phänomen, das Potential hat, sich in breiten Bevölkerungsschichten auszubreiten.

Die Farbe des Jahres - ein Stück Alltagsbewältigung

Auch in der Welt der Farben kreieren Experten konstant richtungsweisende Tendenzen. Dazu zählt die Farbe des Jahres, die vom Pantone Institut gekürt wird, einer der wichtigsten Instanzen der Farbenindustrie. Die Farbe wird in einem umfangreichen Auswahlprozess ausgesiebt, hierzu durchkämmt Pantone nach eigener Aussage „die Welt auf der Suche nach Farbeinflüssen“. Ereignisse aus der Unterhaltungsindustrie wie geplante Filmgroßprojekte und international bedeutsame Kunstausstellungen spielen ebenso eine Rolle wie beliebte Reiseziele, technologische Entwicklungen und andere sozioökonomische Faktoren.

Pantone-Farbe 2016: Rose Quartz & SerenityIn den letzten Jahren beeinflusste uns die Flüchlingskrise. Seit dem Zweiten Weltkrieg waren nie so viele Menschen auf der Flucht, wie in den letzten zwei bis drei Jahren, damit einher gehen kulturelle Konflikte und emotionale Unsicherheit. Das Pantone-Institut versuchte, mit seiner Farbwahl Bewältigungsstrategien zu bieten. So wurden die pastelligen Pantone-Farben des Jahres 2016 - Rose Quartz und Serenity - ausgewählt, um kulturelle und Gender-Normen zu überwinden. Es handelt sich um positive Farben, die durch ihre Sanftheit im ersten Moment für Stabilität und Ruhe sorgen, im zweiten Schritt jedoch neugierig machen. Sie tragen den Wunsch in sich, durchzuatmen und zu reflektieren.

"Colors this season transport us to a happier, sunnier place where we feel free to express a wittier version of our real selves," erläutert Leatrice Eiseman, Farbexpertin beim Pantone Color Institute. "With our culture still surrounded by so much uncertainty, we are continuing to yearn for those softer shades that offer a sense of calm and relaxation."

Diese Einschätzung zeigt, dass die Wahl der Trendfarbe keineswegs eine beliebige Entscheidung ist, sondern die gesellschaftliche Dynamik berücksichtigt und darauf ausgelegt ist, den Puls der Zeit zu treffen.

Das Weltgeschehen prägt den Farbgeschmack

Aktuelles Weltgeschehen schlägt sich tatsächlich auf das Konsumverhalten in Sachen Farbe nieder - so verdüsterte sich beispielsweise nach dem Anschlag auf das World Trade Center die gesamte Farbpalette der USA. Und die Diskussion um den Klimawandel hat in den letzten Jahren Öko-Töne wie Kaffeebraun, Hellgrün, Wasserblau oder Grau bei Wandfarben beliebter gemacht. Dass Farben wie die pastelligen „Rose Quartz“ und "Serenity" zumindest zeitweise salonfähig werden, kann also auch als das Ergebnis eines langwierigen Planungs- und Analyseprozesses von Trendforschern, Designerzirkeln und Farbkonzernen betrachtet werden. Denn auch wenn der Ursprung eines Farbtrends ein vom Trendforscher beobachtetes Verhalten der Konsumenten ist, kommt man an vielen Trends gar nicht mehr vorbei, sobald die Industrie die Trendprognosen aufgegriffen und ihre Produktion danach ausgerichtet hat.

So ist es nicht verwunderlich, dass Modelabels Taschen, Kleidung und Schuhe der Trendfarbe des Jahres 2016 widmen, dass der internationale Kosmetik-Riese Sephora einen "Color of the Year Layer Lipstick" in der Pantone-Farbe des Jahres einführt und dass Farbhersteller ihr Sortiment um Rosé- und pastellige Blautöne erweitern. Auch Stelton präsentiert seine Isolierkanne - ein Klassiker - jedes Jahr von Neuem in den aktuellen Saisonfarben - dieses Jahr in Lavendel und River Blue.

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In der grundsätzlich eher schnelllebigen Farbenwelt gibt es aber auch längere Perspektiven. „Gelb ist das neue Pink!“, verkündete 2010 das holländische Trendorakel Li Edelkoort, eine der einflussreichsten Trendforscherinnen der Welt. Und damit bezog sie sich nicht nur auf die nächste Saison, sondern prophezeite, dass Gelb in den nächsten fünfzehn Jahren in unserer Umwelt eine besondere Rolle spielen wird, denn Gelb sei optimistisch, strahlend und voller Wärme und genau danach sehnten sich die Konsumenten jetzt.

Natürlich erfolgt keine sofortige Neumischung des Farbspektrums, sobald Trendforscher wie Edelkoort ankündigen, dass Gelb das Erbe von Pink antreten wird. Letzten Endes entscheidet immer noch der Konsument über Erfolg oder Scheitern eines Trends, aber natürlich wird unsere Wahrnehmung von Farben durch Berichterstattung und das zur Verfügung stehende Sortiment beeinflusst. Und wenn in dieser Saison in der Einrichtungswelt besonders viele Produkte in Pastelltönen angeboten werden, wird das eine oder andere Stück vielleicht auch im Einkaufskorb landen. Wir sind gespannt!


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